Samstag,
28. Nov. 2015,
21 Uhr:
Ein irritierendes Universum wird uns in absurden Sketchen vorgestellt: eine Sterbende klammert sich an ihre Handtasche, eine Flamenco-Lehrerin begehrt ihren jungen Schüler, ein Vorstandsvorsitzender führt sein letztes Telefonat, der historische König Karl XII. strandet mit seinem Heer in einer Kneipe. Selbst zwei Scherzartikelverkäufer, die in dieser traurigen Welt die Marktlücke erkennen, stehen sich mit ihrer Unfähigkeit nur selbst im Weg.

Regisseur Roy Andersson schließt mit "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach" seine groteske Trilogie ab, die er vor 15 Jahren mit „Songs from the Second Floor" begonnen und dann 2007 mit „Das jüngste Gewitter" fortgesetzt hatte. Wie auch die anderen Filme dieser Serie besteht die "Taube..." aus fixen Kameraeinstellungen, deren Szenerien dem aufmerksamen Zuschauer viel zu entdecken geben. Diese lebenden Bilder sind zwar nur lose verknüpft, erzählen aber in ihrer Summe mal witzig, mal todtraurig von einander entfremdeten Menschen, die nur noch ritualisiert kommunizieren. Und so wird der Satz „Es freut mich zu hören, dass es euch gut geht" zum Running Gag einer erstarrten Welt.

Bei der Biennale 2014 gewann dieser unverwechselbare Film den Goldenen Löwen und inzwischen hat Schweden diesen Film als Kandidaten für die Auslandsoscars 2016 eingereicht.

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach

En Duva satt på en Gren och funderade på Tillvaron Schweden/Norwegen, 2014, 100 Min., FSK: ab 12
Buch & Regie: Roy Andersson
Kamera: István Borbás, Gergely Pálos
Schnitt: Alexandra Strauss
Darsteller: Holger Andersson, Nisse Vestblom, Charlotta Larsson, Viktor Gyllenberg, Lotti Törnros, Ola Stensson u.a.