Freitag,
22. April 2016,
21 Uhr |
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Carmen
Losmanns hellsichtige Dokumentation ist eine Reise
durch die Methoden moderner Personalabteilungen,
die in ihrer Neudefinition als "Human Ressources
Management" den Arbeitnehmer als formbares
Humankapital begreifen. Blickt man hinter die
Fassade des Business-Denglisch staunt man über
ausgeklügelte Strategien, die den Angestellten 2.0
solange mit Wohlfühlatmosphäre umgarnen, bis er
nicht mehr daran vorbei kommt, stete Fürsorge
durch permanente Selbstoptimierung zu belohnen.
Und ist die Umdeutung der Arbeit zum Spiel erst
einmal beiderseits akzeptiert, lässt sich jeder
Druck als "Challenge" verkaufen...
Der Kameramann Dirk Lütter fängt bei großen Firmen
wie Unilever und Schott Solar die Innenarchitektur
moderner Bürogebäude mit kühlen Bildern ein, die
die kalkulierte psychologische Wirkung fühlbar
machen. Vom scheinbar spielerischen Training im
Assessment Center bis zum ernsten Personalgespräch
reichen die gut gewählten und faszinierenden
Eindrücke.
Carmen Losmann ist mit ihrem Debüt gleich die am
heißesten diskutierte Dokumentation der letzten
Jahre in Deutschland gelungen. Hatte der Film 2011
zunächst nur in den Kennerzirkeln der Festivals
von Leipzig und Kassel Aufsehen erregt, war er
nach seinem offiziellen Kinostart 2012 bald ein
viel besprochener Streifen in den Feuilletons. Für
den Anstoss einer dringend benötigten Debatte
bekam der Film 2014 dann sogar den renommierten
Grimme-Preis.
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Work
Hard - Play Hard
Doku, Deutschland 2011, 94 min., FSK: ohne
Regie: Carmen Losmann
Kamera: Dirk Lütter
Ton: Ulla Kösterle, Andreas Hildebrandt, Filipp
Forberg
Schnitt: Henk Drees
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